Mein Internet stirbt weiter …
Am 04.09.2026 meldete das Plugin Broken Link Checker den ersten toten Link, am 05.09.2026 waren es schon 47. Und es dauerte bis gestern, bis sich das Plugin durch alle 43.730 Verlinkungen gearbeitet hatte.
Schon im Herbst 2025 kündigte sich das Ende dieses legendären Rezeptverwaltungsprogramms an:
Glücklicherweise ist die Website heute wieder erreichbar, aber neue Lizenzen werden nicht mehr vergeben. Die RezkonvSuite als lebendiges Projekt ist damit Geschichte.
Lange bevor Foodblogs dazu übergingen, ihre Blogs zu monetarisieren und Rezept-Plugins zu benutzen, war die RezkonvSuite DAS Programm der deutschsprachigen Koch- und Blogger-Community. Entwickelt von Ilka Spieß und Ulli Fetzer nach dem schlichten, aber genialen Prinzip „aus der Praxis, für die Praxis“, schlug das Programm eine Brücke zwischen starren Textwüsten des alten Usenets und einer strukturierten, lokalen Rezeptdatenbank. Mein erster Blogbeitrag wurde mit der Version v0.98.4 erstellt. Über 3.100 Rezepte, die ich in den vergangenen 21 Jahren veröffentlicht habe, sind auch in meiner lokalen Rezeptdatenbank gespeichert. 2006 stellte ich das Programm im Rahmen einer Foodbloggeraktion vor. 20 Jahre nach meiner Vorstellung sind es – glaube ich – nur noch Barbaras Spielwiese, Chili und Ciabatta und Kaffeebohne, die das Rezkonv-Format noch in neuen Beiträgen nutzen.
Zu diesem Niedergang hat auch Googles Entwicklung vom Wegweiser im offenen Web zur zentralen Bewertungs-, Darstellungs- und Vermittlungsinstanz beigetragen. Mit der Einführung der Rich Snippets im Jahr 2009 und der späteren Bevorzugung strukturierter Daten wie JSON-LD wurden Rezeptseiten zunehmend darauf ausgerichtet, ihre Inhalte maschinenlesbar an Google zu übermitteln.
Ich benutze zwar kein Rezept-Plugin, zeichne meine Rezepte aber mit einem maschinenlesbaren HTML-Schema aus. Zusätzlich gibt es im Rezept Button „Display always on“, mit dem ich verhindern kann, dass sich der Bildschirm beim Kochen ausschaltet. Die RezkonvSuite verfolgte dagegen einen anderen Ansatz: Sie strukturierte Rezepte für den Menschen und für die persönliche, lokale Nutzung – unabhängig von Suchmaschinen, Servern und kommerziellen Plattformen.
Was bei dieser Entwicklung der maschinenlesbaren Strukturierung auf der Strecke bleibt, ist die lokale Verfügbarkeit und Unabhängigkeit der eigenen Daten. Jenseits geschlossener Systeme und nicht offenzugänglicher Apps gibt es für den Desktop heute keine ernstzunehmende, plattformunabhängige Alternative zur lokalen Rezeptverwaltung. Stattdessen dominiert der unerträgliche Trend zu Abomodellen: Der Anwender darf Software nicht mehr besitzen, sondern soll sie monatlich mieten. Zahlt man nicht mehr oder schaltet der Anbieter seine Server ab, kommt man oft nicht einmal mehr an die eigenen Rezepte heran.
Das moderne Web will uns einreden, dass lokale Software ohne Server-Infrastruktur im Hintergrund wertlos sei. Im Gegenteil: Sie macht unabhängig. Ich nutze die RezkonvSuite bis heute genau so, wie sie gedacht war – als meine ganz persönliche, verlässliche Offline-Datenbank. Selbst wenn die Website einmal endgültig abgeschaltet wird, meine Daten gehören mir: unverschlüsselt, ohne Tracker, mietfrei und auf meiner eigenen Festplatte.
Ich kann mich glücklich schätzen, damals eine Lizenz erworben zu haben, die bis heute gültig ist.
- Mein erstes Blogrezept in der RezkonvSuite mit den Links zum ursprünglichen Blogbeitrag.
Edit 16.09.2026: Da bin ich recht froh, dass mir dieses Programm so etwas ganz leicht ermöglicht.



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Sehr spannend, danke
Hallo Ulrike,
ich nutze die Rezkonv-Suite immer noch auf dem Rechner und mir geht es da wie Dir, ich bin sehr glücklich damit, habe meine Rezepte alle -teilweise auch thematisch – abgelegt und suche dort auch nach meinen Rezepten.
Waren das Zeiten, als es dazu auch yahoo-Gruppen gab und man sich über die Kategorien ‚gestritten‘ hat.
Liebe Grüße
Katja
Die Zeit kann nicht aufgehalten werden. Und wie wichtig es war, wer das Rezept erfasst hatte …
Die gute alte RezKonv! Hier ist sie im Dauereinsatz, ich erfasse alles Interessante damit. Ich freue mich, dass sie immer noch läuft und ich möchte sie nicht missen. Umd zur Not lassen sich irgendwann mal alle Rezepte als .txt exportieren.
Wohl dem, der eine Lizenz hat😊
Meine Kauflizenz war wirklich gut investiertes Geld – sie läuft noch auf einem älteren PC. Auf dem neueren funktioniert die Suche über mehrere Kochbücher nicht, da stürzt sie ab.
Ich halte es wie einige: Alle interessanten Rezepte wandern hinein, und wenn ich etwas spezielles suche, dann finde ich es auch. Leider sind die „Ausprobieren“ Rezeptbücher länger als mein Leben Rest-Tage hat…
Früher gab’s ja MealMaster – auch davon habe ich die Rezepte noch, aus der Usenet und Fido-Zeit, glaube ich – die ließen sich ja importieren. Ab und zu finde ich bei einer Suche auch eins dieser Rezepte aus den 1990ern. Als Basis oft interessant, aber mir fällt auf, dass sich an Zutaten und Geschmack doch ein wenig verändert hat; d.h. ich passe die Ideen dann eher an auf meinen heutigen Geschmack.
Von Ilka und Ulli habe ich schon lange nichts mehr gehört; ich hoffe, es geht ihnen gut abseits von Social Media.
Ja, ich hoffe auch, dass es den beiden gut geht. Und wenn ich sehe, was Bushcook an Klimmzügen macht, bin ich erst recht froh, um die RezkonvSuite