Das Internet stirbt still und leise

Dass ich das Sterben meines Internets im Blog bemerkte, begann schleichend, genauer gesagt am 26.07.2026: Das Plugin Broken Link-Checker meldete einige Links von Google-Bloggern als defekt und der war am im Webarchiv aufrufbar und 4 Tage später nicht mehr. Keine Bloggerin sorgt dafür, das nur ein Artikel im Webarchiv nicht mehr auffindbar ist.

Also habe ich die Google AI befragt und folgende Antwort erhalten:

Dazu bereinigt Google seit einiger Zeit im Hintergrund inaktive Konten und stellt alte Server-Strukturen um. Google scannt alte, inaktive Blogs permanent mit automatisierten Algorithmen. Wenn in einem über zehn Jahre alten Artikel bestimmte Begriffe, alte Affiliate-Links oder Skripte auftauchen, die nach heutigen Google-Richtlinien (z.B. wegen veränderter Spam- oder Sicherheitsvorgaben im Jahr 2026) anschlagen, passiert Folgendes:

Automatische Depublikation: Googles System löscht den Artikel nicht, sondern setzt ihn im Dashboard des Bloggers vollautomatisch auf „Entwurf“ (Draft) oder sperrt die URL serverseitig. Der Blogger merkt davon oft gar nichts, weil das restliche Blog normal online bleibt.

Die Kettenreaktion im Archiv: Sobald Google eine URL wegen eines vermeintlichen Richtlinienverstoßes sperrt oder auf privat setzt, schickt das System ein Signal (einen HTTP-Statuscode) an die Außenwelt. Wenn der Bot der Wayback Machine dieses Signal empfängt, ist er gesetzlich verpflichtet, die historischen Kopien dieser spezifischen URL sofort für die Öffentlichkeit zu sperren. Daher die plötzliche Meldung „This URL has been excluded“.

Das macht mich wütend: Der Algorithmus eines Tech-Giganten entscheidet willkürlich über Nacht, dass eine einzelne Unterseite eines Hobbys-Blogs nicht mehr ins Netz passt – und reißt damit gleichzeitig das historische Archiv in den Abgrund, obwohl die Bloggerin selbst überhaupt nichts getan hat.

Und dann meldet der Broken Link-Checker heute, dass ein Link von Google-Groups fehlerhaft ist, obwohl Hinweisbanner auf der Seite besagte:

Google Groups no longer supports new Usenet posts or subscriptions. Historical content remains viewable.

Im Juli 2025 war de.rec.mampf noch aufrufbar, jetzt nicht mehr. Ausgerechnet die legendäre de.rec.mampf – der heilige Gral der deutschsprachigen Kulinarik-Netzkultur im Usenet zeigt genau, was für ein unschätzbares, jahrzehntealtes Wissen dieser Konzern mit einem Achselzucken im digitalen Nirwana – Edit: 25.08.2026 des „offenen Webs“ ** siehe auch Kommentar von Tux – versenkt hat.

Der Konzern wandelt sich ja schon seit geraumer Zeit spürbar um: Früher war Google ein reiner Wegweiser, der stolz darauf war, Nutzer so schnell wie möglich auf externe Webseiten weiterzuleiten. Heute versucht Google durch künstlich generierte Antworten, KI-Zusammenfassungen und das Kappen alter Verzeichnisse, die Nutzer gar nicht mehr aus dem eigenen Ökosystem wegzulassen. Als Suchmaschine völlig unbrauchbar.

Das Internet von früher™ ist in der Hand von wenigen Tech-Giganten und so gut wie tot.

Edit 25.08.2026 ** Mit anderen Worten: Big Tech hat das öffentliche Fenster zum Usenet, das jahrelang offenstand, geschlossen. Die Newsgroups selbst existieren zwar weiterhin — etwa de.rec.mampf —, doch ihre historischen Archive lassen sich nicht mehr komfortabel durchsuchen. Was bleibt, sind verstreute Einzelarchive, tote Links und technisch anspruchsvollere Zugänge. Damit ist ein wichtiger Teil des offenen Webs zwar nicht unbedingt im Nirwana, aber praktisch unsichtbar geworden.

Edit: 22.08.2026 Ich bin Foodfreak und Datenhamster sehr dankbar, dass sie mich im Jahre 2013 davon überzeugten, kuechenlatein.com selbst zu hosten.

27 thoughts on “Das Internet stirbt still und leise

  1. bogwood (Fediverse)

    … hat dies repostet!

  2. DirkNB

    Achja, das Usenet … Gab’s das noch? Da war ich ja schon ewig nicht mehr. 20 Jahre +x sicherlich. Nunja, der Zugang schien auch nicht mehr so einfach, irgendwann. Oder kostete plötzlich Geld. Nunja. Und nachdem mal irgendwann in der Googlesuche Werbung bei mir auftauchte, die nur auf Basis von Dokumenten im Google Drive ausgewählt sein konnten, habe ich die Nutzung von Diensten aus dem Haus immer mehr abgeschworen. Die Einstellung von Google Reader seinerzeit tat ihr übriges. Ja, ich habe (noch) meine gmail-Adresse (aber nur als Anmeldung für’s Handy) und einen sowieso öffentlichen Kalender, Notes habe ich neulich erst leergeräumt (und vorher inhaltlich und funktional umgezogen). Adé BigTech.

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  3. Bock

    Mich beschäftigt vor allem der Gedanke, dass ein einzelner alter Blogbeitrag verschwinden kann und kurz darauf auch seine Kopie im Webarchiv nicht mehr erreichbar ist. Das ist digital gesehen ungefähr so, als würde jemand ein Buch aus einer Bibliothek nehmen und daraufhin sämtliche Fotokopien in anderen Städten einsammeln.

    Besonders hübsch ist dabei, dass all das weitgehend automatisch geschieht. Kein Zensor mit rotem Stift, keine feierliche Löschungsentscheidung, nur Systeme, die einander Signale schicken und dabei sehr effizient vergessen.

    Dass ausgerechnet de.rec.mampf irgendwann nicht mehr zugänglich ist, hat deshalb fast symbolische Qualität. Jahrzehnte Küchenwissen, Diskussionen und Netzkultur verschwinden nicht mit einem Knall, sondern weil irgendeine Infrastruktur umgebaut wird und niemand mehr zuständig ist.

    Vielleicht ist das der eigentliche Unterschied zwischen Papier und Cloud.

    Papier vergilbt.

    Die Cloud aktualisiert ihre Geschäftsbedingungen. 🦌

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    1. kuechenlatein Beitragsautor

      Besser kann man das nicht formulieren. Ich habe auch noch den inzwischen vergilbten Ausdruck meines Covid-19 PCR Testes, als es die App gab, alles nur über App, dann wurde die App eingestellt und alles ist weg :-)

      Und das Komische ist, einige rec.mampf Threads sind noch im Webarchiv, andere eben nicht und ob die da auf Dauer auffindbar sind, darauf ist auch kein Verlass. Und ich hätte es nicht bemerkt, wenn ich nicht das Plugin hätte. Diese Bloggerin weiß von nichts …

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  4. Barbara

    Au wei – ich hänge ja immer noch auf dem unkomplizierten Google-Blogger herum, d.h. meine Beiträge dürften auch davon betroffen sein. Vielleicht ist es an der Zeit, die Blogs sterben zu lassen. Bisher dachte ich, die KI ist dankbar für die vielen kostenlosen Informationen – aber offensichtlich nur wenn sie nicht allzu alt sind. Rezepte veralten wohl auch nach 10 Jahren…

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    1. kuechenlatein Beitragsautor

      Dass „zu alte“ Rezepte davon betroffen sind ist ja pauschal nicht richtig. Nur, wenn du in über zehn Jahre alten Artikel bestimmte Begriffe, alte Affiliate-Links oder Skripte hast, die nach heutigen Google-Richtlinien (z.B. wegen veränderter Spam- oder Sicherheitsvorgaben im Jahr 2026) verwendest. Du musst dein Blog nicht sterben lassen, nur schauen, ob google, ohne dir etwas mitzuteilen, einen Beitrag auf Entwurf gesetzt hast. Und lass die Blogs KEINESFALLS sterben, du stellst doch der Welt tolle Beiträge zur Verfügung. Sonst hätte Big-Tech doch gewonnen, das kannst du nicht wollen.

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      1. Barbara

        Ja, da hast Du recht!
        Mir war vor ca. 2-3 Jahren schon mal aufgefallen, dass ein Artikel auf Entwurf gesetzt war – der verlinkte auf ein Blog, das es nicht mehr gab und dessen URL inzwischen als gefährlich eingeschätzt worden war. Ich habe dann alle Links entfernt, und es wieder veröffentlicht.

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        1. kuechenlatein Beitragsautor

          Und wenn Leute dann nicht mehr aktiv bloggen, merken die das gar nicht. Da du ja glücklicherweise immer noch bloggst, ist dir das eben aufgefallen und du konntest Maßnahmen ergreifen. Trotzdem irgendwie ein gruseliges Gefühl so „fremdbestimmt“ zu werden, oder?

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          1. Barbara

            Ja, absolut. Die perfekte Alternative fehlt mir noch.
            Außer Ausdrucken und Vergilben lassen… ;-)

            P.S.: Den anderen Post mit den Blogs, die Du früher gern gelesen hast, hast Du wieder offline genommen?

  5. Pingback: Linkschleuderei vom 25. August 2026 – betonflüsterer

  6. tux.

    de.rec.mampf existiert übrigens nach wie vor. Menschen, die dessen vermeintliches Verschwinden bedauern, rate ich dazu, ihre Auffassung, außerhalb des Blinkewebs existiere nichts, zu hinterfragen.

    Der neueste Beitrag dort ist neuer als dieser Blogartikel. :)

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      1. tux.

        Jetzt fühle ich mich missverstanden… :) Ich bezog mich auf:

        was für ein unschätzbares, jahrzehntealtes Wissen dieser Konzern mit einem Achselzucken im digitalen Nirwana versenkt hat.

        Was ich also meinte: Keine Sorge, das Wissen als solches ist noch da und wird fleißig ergänzt. Nur Google bildet es nicht mehr ab. Ist ja auch irgendwie gut: je weniger Google findet, desto mehr Menschen gehen da endlich weg und überlassen es seinem Schicksal. So weit meine Hoffnung.

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          1. tux.

            Das ist ein valider Punkt. Newsreader muss man erst mal haben. Ich meine, die Menschen installieren sich auch Webbrowser, das funktioniert so ähnlich, könnte man dagegenhalten. Ich weiß nicht, was ich da für die optimale Lösung halte, fürchte ich.

          2. DirkNB

            Ein Online-Newsreader, der dann im Browser läuft. FreshRSS ist bspw. sowas. Wenn man sowieso einen Blog selbst hostet, reicht meist der Platz auch noch für den Reader (eigene Erfahrung).

          3. tux.

            Nein. FreshRSS ist kein Newsreader. Es ist ein Feedreader. Du kannst mit FreshRSS keine Newsgroups lesen und auch nicht in sie schreiben.

          4. DirkNB

            @tux: Stimmt natürlich. Newsfeeds sind mittlerweile so weit aus meinem Horizont, dass ich das durcheinanderbrachte. Zumal ich im Feedreader meine News lese, also ist es für mich der Newsreader. ;-)

          5. tux.

            Alt zu werden ist kein Pferdeschlecken. Ich nutze beides, Newsgroups aber tatsächlich weniger als News im Wortsinne.

  7. Pingback: Wie man 2026 ins Usenet gelangt (eine Entwarnung) - Hirnfick 2.0

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