Haferdrink selbst gemacht – jenseits geschredderter Haferflocken

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Haferdrink selbst gemacht – jenseits geschredderter Haferflocken

Tablett mit einer kleinen geöffneten Weckflasche mit Haferdrink selbst gemacht, daneben eine Tasse Kaffee mit Haferdrinkschaum davor ein batteriebetriebener Milchschäumer

Für den ersten Versuch bin ich sehr zufrieden, der Schaum war auf meinem Kaffee war sogar stabil. Der Drink schmeckt keinesfalls nur nach geschredderten Haferflocken und kommt dem käuflich zu erwerbenden Produkt schon sehr nahe. Konsistenz und Süße lassen sich ja über die Einwirkzeit der Enzyme steuern.

Nachdem dann auch die Maus – Wie wird Haferdrink hergestellt erklärt, dass Getränke auf Haferbasis enzymatisch aufgeschlossen werden und das Enzymset eingetroffen war, legte ich mit den guten Haferflocken aus Lübeck vom Discounter los.

Enzymset und Haferflocken für Haferdrink selbstgemacht

Und was passiert nun hier genau? Wenn Haferflocken mit warmem Wasser gemixt werden, quillt die enthaltene Stärke auf und bildet normalerweise einen dicken, schleimigen Brei. Die erste Enzymlösung spaltet die langen, komplexen Stärkeketten des Hafers in kleinere Bruchstücke auf, der zähe Schleim wird vollständig verflüssigt. Nachdem die Stärke flüssig ist, wird eine zweite Enzymlösung zugefügt, die die bereits verkleinerten Stärkebruchstücke angreift und sie weiter in noch kleinere Einfach- und Zweifachzucker zerlegt. Dabei entsteht eine natürliche Süße. Die Peptidasen in der zweiten Enzymlösung schneiden lange Proteinketten in kleinere, wasserlösliche Stücke. Dadurch verbinden sich die Proteine viel besser mit dem Wasser. Der Haferdrink bekommt ein feineres, homogeneres Mundgefühl.

Den Trester mit den wertvollen Inhaltsstoffen wie die Beta-Glucan, die Ballaststoffe, die nachweislich den Cholesterinspiegel senken und gut für den Darm sind, ein Großteil der Proteine sowie wichtige Vitamine und Mineralstoffe habe ich im Porridge zu mir genommen. Ich habe mich gefragt, was die Industrie damit macht und Wissen erlangt, das ich lieber nicht wollte. Wenn Haferdrink, dann am besten selbst gemacht oder von dort, wo der Trester sinnvoll verwendet wird.

Haferdrink selbst gemacht – jenseits geschredderter Haferflocken

Kategorie: Drink, alkoholfrei, International
Menge: 1 Liter, etwa 4 Flaschen Haferdrink selbstgemacht und 60 Gramm Trester

Haferdrink selbst gemacht mit Geschmack wie aus dem Laden. Durch den Einsatz von Enzymen wie Amylasen und Peptidasen wird der Haferdrink flüssig, schleimt nicht und behält eine dezente, natürliche Süße. Diese Variante ließ sich sogar schäumen.

ZUTATEN

  • 700 Gramm Wasser, kochend
  • 300 Gramm Wasser, Raumtemperatur
  • 110 Gramm Haferflocken, zart bzw. Kleinblatt
  • 1/8 Teel. Salz
  • 2 Tropfen Nectarbar Enzymlösung N1 *, wirkt optimal zwischen 65 und 75 °C, max. 80 °C
  • 2 Tropfen Nectarbar Enzymlösung N2 *, wirkt optimal zwischen 35 und 55 °C, max. 65 °C
  • 1 Teel. Rapsöl

ZUM EINKOCHEN

QUELLE

abgewandelt von nach:
Nectarbar DIY-Rezept

ZUBEREITUNG

  1. Wasser beider Temperaturen in den Blender einwiegen, Haferflocken und Salz zufügen und auf hoher Stufe 20 – 40 Sekunden mixen.
  2. 2 Tropfen Enzymlösung N1 (Wasser, Enzym: Amylase, Salz, Traubenzucker, Konservierungsstoff Kaliumsorbat) bei ca 70 °C einrühren (Ulrike: 68,5 °C, sanft mixen und für 20 Minuten einwirken lassen. Nach 15 – maximal 90 Minuten ist die Mixtur auf 60 °C abgekühlt. Ulrike: Nach 20 Minuten 57,4 °C
  3. 2 Tropfen Enzymlösung N2 (Wasser, Glycerin, Traubenzucker, Enzyme: Amylasen, Peptidasen, Trägerstoff: Sorbit, Konservierungsstoffe: Natriumbenzoat, Kaliumsorbat, Salz) bei ca. 60 °C einrühren, sanft mixen und für 30 – 40 Minuten mit Deckel einwirken lassen. Ulrike: 30 Minuten.
  4. Filterbeutel einmal durchspülen und in eine Schüssel oder weiten Messbecher mit einem Fassungsvermögen von 1 Liter geben. Mixgut hineingießen und den Filterbeutel vorsichtig mit der Kordel zuziehen. Jetzt alles abseihen und sanft ausdrücken, dabei Finger nicht verbrühen.
  5. Filterrückstände – Hafertrester – mit einem Löffel schaben und weiter verwenden.
  6. Rapsöl untermixen und die Flüssigkeit für eine bessere Haltbarkeit und Deaktivierung der Enzyme kurz aufkochen, in Glaskaraffen füllen, mit Einkochring, Glasdeckel und Einweck-Klammern verschließen. 30 Minuten bei 95 °C Einkochen.

TIPP: Aus dem Hafertrester, etwa 60 Gramm mit 40 Gramm Haferflocken und 180 – 200 ml Flüssigkeit (Kuhmilch, Haferdrink, Wasser) mit etwas Zimt Porridge kochen.

Gesamtzeit: 2 Stunden
Vorbereitungszeit: 15 Minuten
Einkochzeit: 30 Minuten
Einwirkzeit: 50 Minuten


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* = Affiliate-Link zu Amazon

Mal eben schnell selbst gemacht ist diese Version nicht.

mehr Rezepte mit Hafer oder Selbst- bzw. Hausgemachtes bei Küchenlatein

28 thoughts on “Haferdrink selbst gemacht – jenseits geschredderter Haferflocken”

  1. kuechenlatein (Fediverse)

    … hat dies repostet!

  2. Jan ⦁ Eckernförde (Fediverse)

    … hat dies repostet!

  3. Foodfreak

    vielen Dank für die detaillierte Erklärung. ich sehe schon, das muss ich beizeiten auch mal angehen. (auch wenn ich oldschool die aus Säugetieren extrahierte Milch von der Milchtankstelle bislang präferiere).

    Das Posting, das den Versuch auslöste, hat mich seinerzeit auch etwas gegen den Strich gebürstet, ich hatte aber schlicht keine Löffel, mich da auf eine Diskussion zu begeben, Danke, dass du das so perfekt erledigt hast.

    Antworten ↓
    1. kuechenlatein Beitragsautor

      Ich werde mein Porridge auch nach wie vor mit dem durch ein- oder mehrmaliges Melken gewonnene Erzeugnis der normalen Eutersekretion zubereiten, allein schon deshalb, weil das meinen Blutzuckerspiegel weniger stark in die Höhe schnellen lässt. Aber jeder Mensch so wie er mag.

      Antworten ↓
  4. Johnny Than (Fediverse)

    … hat dies repostet!

  5. Hafensophie (Fediverse)

    @blog_kuechenlatein
    „dabei Finger nicht verbrühen“ 😍

    (Auf die Maus freu ich mich auch schon!)

  6. Taubeaufdemdach :nona: (Fediverse)

    … hat dies repostet!

  7. Poupou (Fediverse)

    … hat dies repostet!

  8. Croco

    Wie interessant!
    Und das nochmalige Aufkochen um die Enzyme abzubauen, macht die Sache rund. Und auf Einkochen wäre ich nicht gekommen. Der Zeitaufwand ist natürlich einzurechnen, die Mühe wird sich nicht jeder machen. Es hat sich aber gelohnt.
    Ich finde es toll!

    Antworten ↓
      1. Croco

        Der Witz ist, dass ich tatsächlich keine Lactose vertrage, und das schon seit Kindertagen. So nehme ich immer ganz wenig Milch in den Kaffee, und nur ein Mal am Tag. Den Preis für die Hafermilch finde ich aber unverschämt hoch und ich kaufe sie deshalb nicht. Für mich würde es sich wirklich lohnen sie selbst zu machen. Mal sehen. Danke für Deinen Betrag und die Recherche.

        Antworten ↓
        1. kuechenlatein Beitragsautor

          Na dann los, du kannst ja geschmacklich durch die Zugabe verschiedenster Öle/Nussmus variieren. Wobei ich bislang mit den 1-€-Packungen ganz gut gefahren bin, aber hausgemacht ist besser für die Umwelt, weniger Verpackung und weniger Trester, der der Ernährung verloren geht.

          Antworten ↓
  9. BatiCorn (Fediverse)

    … hat dies repostet!

  10. Pingback: 26-09-06 (Die Band imitiert eine anfahrende U-Bahn) – iberty.de

  11. Barbara

    Super, dass Du das durchgezogen hast. Die Erläuterungen dazu habe ich jetzt auch mit Interesse gelesen – so ohne viel Ahnung von Lebensmittelchemie verstehe ich bei manchem nur Bahnhof. Auch der Schaum ist toll geworden. Danke fürs Ausprobieren!

    Die geshredderten Haferflockenmilch kenne ich auch, sehe darin aber keine Vorteile. Wenig Protein, und ich esse Haferflocken lieber im Müsli oder sogar mal im Ganzen gekocht. Wenn schon Milchersatz dann ganz normale Sojamilch (schmeckt selbstgemacht wirklich sehr gut), die enthält wenigstens etwas Protein.

    Antworten ↓

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