Ich folgte der Einladung von Deutschmann Kommunikation zum Food Innovation Camp 2026. Als Foodie mit Zukunftsinteresse habe ich mir Mühe gegeben, den Presserundgang ganz ohne Vorurteile anzugehen. Für mich waren keine Tops dabei.

Gleich die erste Station war der spätere Gewinner des Newcomer Awards Apple Fries, zu denen ich mich schon hier geäußert habe. In Hinblick auf mein Blogprojekt „Kochen ohne Tüte“ bleibt mir bei diesem Award nur ein Kopfschütteln. Ein Paradebeispiel dafür, wie die Food-Innovation-Szene künstliche Bedürfnisse unter dem Deckmantel des „Clean Label“ konstruiert.

Weitere Stationen:
- GeschmackSack: Hierbei handelt es sich um aufwändig verpackte, ganze Gewürze im Sack zum Mitkochen, für ein Publikum, das gut kochen will – ich kann das auch ohne. Auch wenn bei der Verpackung laut Hersteller extra auf Nachhaltigkeit geachtet wurde, bleibt das Ganze am Ende vor allem eins: teuer. Für eine simple Zusammenstellung ganzer Gewürze stolze 4,99 € zu verlangen, finde ich – auch zum Verschenken – überteuert. Das Prinzip erinnert mich an meinen Beitrag zum hausgemachten Zimtzucker. Es zeigt, dass auf solchen Veranstaltungen oft nur Standard-Zutaten in ein schickes Gewand gesteckt werden, um den Preis künstlich in die Höhe zu treiben – echte Innovation sieht anders aus.
- Speckup: Hoch verarbeiteter Bio-Rinderspeck zum Streuen. Das Produkt besteht aus geriebenem und geräuchertem Rinderspeck, verfeinert mit Natursalz, Bio-Gewürzen und Buchenrauch. Die paradoxe Marketing-Idee dahinter: Man soll damit vegetarische Gerichte „kinderleicht mit echtem Fleischgeschmack“ aufpeppen. Ein in sich völlig widersprüchlicher Marketing-Ansatz – wer vegetarisch kocht, braucht kein echtes Fleischpulver aus der Streudose. Ich habe probiert und wurde das aufdringliche Raucharoma in Mund und Nase lange nicht los.

- Djoon Dattelpralinen: Der nächste vermeintlich „cleane“ Snack nutzt das mangelnde Wissen vieler Verbraucher über Fruktose aus. Vermarktet als zuckerfreie Premium-Alternative, weil mit Datteln statt Haushaltszucker gesüßt wird. Physiologisch ist das irreführend. Der darin enthaltene Fruchtzucker, die Fruktose, wandert – scheinbar ganz „gesund“ am Insulinkreislauf vorbei – ohne Umwege direkt in die Leber, wo er die Entstehung einer Fettleber fördern kann. Obendrein ist das Produkt hochpreisig und aufwändig verpackt. Am Ende kauft der Verbraucher hier eine hochkonzentrierte Zuckerbombe im edlen Wellness-Gewand, die neben gesundheitlichen Trugschlüssen vor allem unnötigen Verpackungsmüll liefert.

- Nalu: Die als „Naschen mit gutem Gewissen“ beworbenen Fruchtgummis, die als Qualitätsmerkmal angeben, dass sie es bis in die TV-Show „Die Höhle der Löwen“ geschafft haben. Wer das schwer lesbare Zutatenverzeichnis entziffert, findet statt naturbelassener Zutaten ein hochgradig modifiziertes Labor-Produkt: Die Masse und Textur werden durch den Füllstoff Polydextrose und Isomalto-Oligosaccharide künstlich nachgebaut, gesüßt wird mit dem Zuckeralkohol Erythrit bzw. in der hier abgebildeten Variante mit hoch verarbeiteten Steviolglycosiden. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist das Produkt damit weit von einem naturbelassenen Snack entfernt.

- TEKOHA: Ein löslicher „Matekaffee“ – eine Kaffeealternative, die zu 100 % aus geröstetem Mate besteht. Das Produkt kommt ohne künstliche Zusätze aus und punktet mit einem ehrlichen, säurearmen Naturprofil statt Labor-Chemie. Allerdings krankt die Präsentation auf dem Event an einem bekannten Problem: Das Pulver wird in 10 einzelnen Portionssticks angeboten. Aus Nachhaltigkeitssicht ist das ein Rückschritt, da diese Portionierung für jede einzelne Tasse unnötigen Müll produziert. Wer das Produkt kauft, sollte aus ökologischen Gründen definitiv lieber zur angebotenen Großpackung in der Dose greifen.

- Cosmic Dealer: Eine Marke, die Premium-Schokolade ohne vermeidbare Zusatzstoffe anbietet. Geschmacklich ist das Produkt hervorragend und hat mich überzeugt. Das Konzept scheitert jedoch am Verpackungsaufwand: Jeder der Schokoladentaler ist einzeln in eine dicke, aufwändige Verpackung gehüllt. Für bewusste Konsumenten hinterlässt der ökologische Fußabdruck dieser Müllproduktion trotz der hochwertigen Zutaten einen bitteren Beigeschmack.

Fazit: Marketing schlägt Produktqualität
Als Lebensmittelchemikerin schaue ich naturgemäß genauer hin. Auf der Veranstaltung wurde häufig erklärt, dass ohnehin niemand die Zutatenverzeichnisse lese – doch ich tue es. Das ernüchternde Ergebnis dieses Presserundgangs: Es war auffällig schwer, die Deklarationen auf den Produkten überhaupt vernünftig zu entziffern. Der Fokus lag fast durchgehend auf spektakulärem Design und der Inszenierung der Hülle. Es dominierte ein hoher Verpackungsaufwand, der trotz vermeintlich „grüner“ Materialien am Ende vor allem riesige Berge an unnötigem Verpackungsmüll für kleinste Portionen produziert. Es ging bei diesen vorgestellten Stationen primär um die rein kommerzielle Vermarktung und viel zu selten um ehrliche, inhaltliche Qualität und echte Nachhaltigkeit.
Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) schreibt beim Online-Kauf eine klare und vorab verfügbare Zutatenliste vor. Auf den schicken Hersteller-Websites musste ich mich z.T. jedoch durch endlose Marketing-Slogans wühlen und versteckte Reiter aufklappen, um überhaupt an die rechtlich vorgeschriebenen Fakten zu kommen, wenn sie denn überhaupt vorhanden waren.
Abseits des Presserundgangs habe ich in netter Begleitung aber doch noch Produkte entdeckt, die mich begeistert haben. Bei Interesse stelle ich diese Highlights gerne in einem folgenden Beitrag detailliert vor.

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@blog_kuechenlatein ja, die anderen Produkte würden mich auch noch interessieren. Danke für deinen super Blogbeitrag!
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Danke für das Feedback. Ich arbeite dran …
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Liebe Ulrike, vielen Dank für diesen Beitrag. Der spiegelt so in etwa wider, was ich oft beim Schlendern durch den Supermarkt denke.
Herzliche Grüße
Sabine
Ich finde das eine sehr bedenkliche Entwicklung, aber es gab ja auch Highlights.
Furchtbar, was sich gewisse Marketing-Leute (einst war ich auch einer!) und Produktentwickler an (scheinbar) innovativen Produkten einfallen lassen. Und erst noch dieser Verpackungsmüll…
Hier in Thailand – man könnte es auch «Land der 100’000 Snacks» bezeichnen – muss ich in den Geschäften oft wegsehen, sonst wird mir schlecht. Ändern kann ich es auch nicht.
Vieles wird in Einzelverpackungen angeboten, was meistens gerechtfertigt ist, denn bei der hier hohen Luftfeuchtigkeit würde alles sofort zusammenpappen.
Zum Glück kannst du uns aber auch ein paar Highlights präsentieren. Bin mal gespannt!
Ich arbeite daran
Also…. Ich lese auch die Zutatenlisten, wegen Veträglichkeit für mich und wegen des vielen Unsinns der angepriesen wird. Und versuche dies meinem Umfeld weiterzugeben
Sehr gut, dann sind wir schon zu Zweit