Archiv der Kategorie: Food Chemistry

Wieviel wiegt ein Teelöffel Frischhefe?

Ich wiege ja am liebsten alles, auch Nutella, und kann mit Volumenmaßen nur etwas anfangen, wenn das abzumessende Gut streufähig oder flüssig ist und dann auch nur in Einheiten bis zu einem Esslöffel.

Heute erreichte mich dann folgender Hilferuf

Im Jahr 2005 machte ich mir dann einmal die Mühe und habe einen Würfel Frischhefe vermessen, umgerechnet und in meiner offline Rezeptdatenbank festgehalten.

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Hefe – Info
Kategorien: Info
Menge: 1 Rezept

Quelle

  Erfasst *RK* 01.07.2005 von
  Ulrike Westphal

Zubereitung

42 g Hefe = 1 Würfel von 4,3 cm x 2,7 cm x 2,7 cm Kantenlänge ergibt ein Volumen von 31 ml, d.h. 1 TL Frischhefe entspricht 6,6992056 g entsprechend 1,9 g Trockenhefe

: 1/4 TL = 1,7 g entprechend 0,5 g Trockenhefe
: 1/2 TL = 3,4 g entprechend 0,95 bzw. 1 gTrockenhefe
: 3/4 TL = 5,1 g entprechend 1,4 g Trockenhefe
: 1 TL = 6,8 g entprechend 1,9 g Trockenhefe

=====

Mit diesen Angaben bin ich bis heute ganz gut gefahren.

Damit konnte dann Peggys Frage: „Wieviel wiegt ein Teelöffel Frischhefe?“ auch beantwortet werden:

Noch mehr zum Thema Hefe bei Küchenlatein

Tonic Water

Zu Gin gehört Tonic, wie Deckel auf Topf oder Pat zu Patachon. Abgeleitet wird das Wort Tonic von Tonikum und bekommt damit gleich einen Klang nach Arzneimittel. Und das war es dann auch, nämlich Vorbeugung gegen Malaria durch das enthaltene Chinin. Es gehörte zeitweise zur Standardausrüstung britischer Kolonialisten in Afrika und Indien. Damit es überhaupt genießbar war, mischten es die Briten in ihren Gin, der Sommerdrink war entstanden. Mein Lieblingssupermarkt bietet Tonic von

Schweppes Indian Tonic Water, Zutaten:

 
Wasser, Zucker, Kohlensäure, Säurungsmittel: Citronensäure; natürliches Aroma, Aroma: Chinin.

Fevertree Indian Tonic Water, Zutaten:

 
Quellwasser, Rohrzucker, Zitronensäure, natürliche Aromen, natürliches Chinin

und ab und zu auch Thomas Henry Tonic Water, Zutaten:

 
Natürliches Mineralwasser, Zucker, Kohlensäure, Säuerungsmittel Citronensäure, natürliches Aroma, Aroma Chinin

Im Rahmen einer Tasty-Box kam ich dann auch in den Genuss von: Die Gin-Nerds stehen auf:
Tonic Monaco 22.02.2021 **, Zutaten:

 
Natürliches Mineralwasser, Zucker, Kohelnsäure, Säuerungsmittel Zitronensäure, natürliches Zitronen-Limetten aroma mit anderen natürlichen Aromen, Aroma: Chinin

Fevertree Mediterranean Tonic Water, Zutaten:

 
Natürliches Mineralwasser, Rohrzucker, Zitronensäure, natürliche Aromen, natürliches Chinin

Im Rahmen einer Verkostung mit The Duke genoss ich auch schon Fentimans mit den Zutaten:

 
Carbonated Water, Sugar, Citric Acid, Natural Tonic Flavour with Herbal Extracts, Lemongrass, Quinine.
Not more than 0.5% alcohol by volume

Wenn man sich die Zutatenverzeichnisse so anschaut, sehen die ziemlich gleich aus, schmecken aber unterschiedlich. Der Inschennör bevorzugt Thomas Henry, mit deutlichen Zitrusnoten, ich finde Fevertree Indian Tonic sehr fein, das erinnert so ein bisschen an frische Limonade.

Alle Tonic-Water enthalten natürliche Aromen: Das bedeutet, dass das Aroma in der Natur vorkommt und aus natürlichen Grundstoffen erzeugt wird. Die Grundstoffe können Lebensmittel sein, oder aber sie werden durch Bakterien, Hefen oder Pilzen biofermentativ z.B. auf Baumrinde Cellulose oder Sägespäne erzeugt.

Natürliche Aromen müssen nur aus dem bezeichneten Lebensmittel stammen, wenn diese Bezeichnung im Namen integriert ist. Einzig bei Monaco steht im Zutatenverzeichnis auf der Flasche, dass das verwendete Aroma tatsächlich aus Limetten und Zitronen stammt, die weiteren natürlichen Aromen sind nicht näher spezifiziert, können also auch aus anderen Quellen als Lebensmitteln stammen. Schade, erfährt der interessierte Verbraucher z.b. bei Fevertree erst auf der Website, dass die verwendeten Aromen doch tatsächlich aus echten Lebensmitteln stammen. Ich fände es gut, wenn ich das direkt beim Kauf des Produktes schon erführe.

Je nach Marke ist das verwendete Chinin mal natürlichen Ursprungs mal nicht.

Nachtrag: 11.02.2014 15:45

Lurisia Chinotto mit den Zutaten 30.11.2023 **:

 
Wasser, Rohrzucker, Zitronensaft, natürliche Aromen, Kohlensäure, Chinin

Auch hier keine Erwähnung, dass die Aromen tatsächlich aus der Chinotto-Frucht stammen.

„Kann man das auch selber machen?“, lautete die Frage des Inschennörs. Wenn dem Inschennör schon nix zu schwör ist, sollte es der Inschennörsgattin auch nicht sein. Bei selbst hergestellten Tonic Water wüsste die Inschennörsgattin jedenfalls, woher die verwendeten Aromen stammen. Die Suchmaschine angeschmissen und siehe da, es soll gehen. Es gibt sozusagen 2 Varianten für Gin Tonic: Bei der 1. Variante wird ein Sirup mit verschiedensten Aromen hergestellt, der dann Gin vermischt und anschließend mit Sodawasser versetzt wird. Bei der 2. Variante werden China-Rinde und Aroma gebende Säfte direkt im Glas mit Gin vermischt und mit Sodawasser aufgefüllt.

Und da der beste Ehemann von allen auch gerne Tonic Water pur trinkt, werde ich mich an die erste Variante wagen.

** 21.02.2021 https://aquamonaco.com/products/tonic-monaco/ nur noch im Webarchiv verfügbar
** 30.11.2023 https://www.eataly.com/soda/chinotto-tonic-water nur noch im Webarchiv verfügbar

Alles in Butter

Es ist doch immer wieder erstaunlich wie viele Menschen die verschiedenen Buttersorten im Kühlregal wie

Sauerrahmbutter

Alles in Butter Fassbutter

mild gesäuerter Butter

Küstenbutter mild gesäuert

Süßrahmbutter

Süßrahmbutter

überhaupt nicht wahrnehmen. Der Verbraucher ist wohl nicht so mündig und aufgeklärt und studiert die Angaben auf der Verpackung. Allen drei Buttern gemeinsam ist der Fettgehalt von mindestens 82 % und der maximale Wasserhalt von 16 %.

Süßrahmbutter haben die meisten schon unfreiwillig selbst hergestellt, nämlich wenn die Schlagsahne zu lange geschlagen wurde. Es entstehen Butterkörner und die (süße) Buttermilch setzt sich ab.

Letztlich handelt es sich bei der Butterherstellung um die mechanische Behandlung des Rahms. Früher schlug man den Rahm in hözernen Butterfässern, heute werden Butterfertiger aus Edelstahl eingesetzt. Durch die mechanische Bearbeitung des Rahmes werden die Fetttröpfchen geschlagen . Dabei wird die Membran der Fetttröpfchen zerstört, und es entstehen sogenannte Butterkörner und Buttermilch. Butterkörner mit einem Durchmesser von etwa zwei Millimeter bestehen noch zu etwa 30 Prozent aus Wasser. In einem weiteren Schritt werden die Butterkörner gewaschen und geknetet, wobei sich der Wassergehalt der Buttermasse auf 15-16 Prozent erniedrigt. Das Wasser wird in Form sehr kleiner Tröpfchen gleichmäßig in der Buttermasse verteilt.

Wird der Rahm vor der mechanischen Behandlung durch Milchsäurebakterien gesäuert, erhält man Sauerrahmbutter und als Nebenprodukt die typisch säuerliche Buttermilch.

Bis 1989 gab es in Deutschland eigentlich nur Süß- oder Sauerrahmbutter. Mit der Einführung des Begriffes der „mild-gesäuerten Butter“ in der Butter-Verordnung von 1989 wurde das NIZO-Verfahren für zulässig erklärt. Dieses Verfahren wurde 1976 vom Niederländischen Institut für Milchwirtschaft (NIZO) vorgestellt. Damit wurde es möglich, aus Süßrahmbutter eine Butter herzustellen, die das typische Sauerrahmaroma und einen vergleichbaren pH-Wert im Butterserum aufweist, ohne auf süße Buttermilch zu verzichten.

Das ganze hatte betriebswirtschaftliche Gründe, weil der Markt für saure Buttermilch begrenzt und die süße Buttermilch profitabel an die Tierfutterindustrie verkauft werden konnte. So ist dann heute im Butterregal die Sauerrahmbutter in der Minderheit, so dass den meisten Verbrauchern gar nicht klar ist, dass es sie überhaupt gibt. Während meines Praktikums zum 2. Staatsexamen war mildgesäuert oder Sauerrahm durchaus ein Thema.

Übrigens, wer seine Soßen etc. aufmontieren möchte, ist mit Süßrahmbutter besser bedient, weil sie nicht ausflockt. Auf Brot schmeckt mir die Sauerrahmbutter aber besser.

Bleibt nur noch die Frage zu beantworten, warum nicht jede Butter streichzart aus dem Kühlschrank kommt. Eigentlich ganz einfach, wenn Kühe auf der Weide stehen und viel frisches Gras und Klee mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren und anderen ungesättigten Fettsäuren fressen, werden diese auch in das Fett der Milch eingebaut. Das ergibt eine Fettsäurezusammensetzung, die die Butter auch bei Kühlschranktemperaturen streichzart lässt.

Aber eine Sauerrahmbutter ist die Butter aus Irland nicht.

Kerrygold

Andere Hersteller wiederum versuchen, die Streichfähigkeit durch spezielle (Süß)Rahmreifung zu beeinflussen.

Butter Weihenstephan

Hier geht es zu einem Beitrag mit Sauerrahmbutter aus Schleswig-Holstein