Der wahre Preis für den perfekten Apfel

Dieser Beitrag von ZDF Zoom (Video verfügbar bis 01.02.2019, 06:40) hat mich sehr nachdenklich gemacht, denn: Der wahre Preis für den perfekten Apfel ist hoch, nur ist das den wenigsten Verbrauchern bewusst. Die „großen“ Supermärkte bestimmen das Angebot, überall sieht man die gleichen Apfelsorten.

Mein örtlicher Supermarkt ist jetzt REWE und hier eine kleine Auswahl des fein säuberlich in Kunststoff verpackten Apfelangebots:

Der wahre Preis für den perfekten Apfel: REWE diktiert das Angebot

Der Apfel, der unter REWE regional vermarktet wird, ist eine ursprünglich aus Neuseeland stammende Apfelsorte und kommt aus dem Alten Land.

Altes Land, das ist südliches Hamburg und Niedersachsen und nicht Schleswig-Holstein

REWE regional

Offensichtlich habe ich REWE Regional

bietet Ihnen Frische und Qualität von Erzeugern und Herstellern aus Ihrer Region. Freuen Sie sich auf Produkte, wie es sie nur bei Ihnen gibt – gerade frisch geerntet. Mit REWE Regional treffen Sie deshalb immer eine gute Wahl – und tun dabei noch etwas Gutes für Ihre Region. Ganz einfach so beim Einkaufen.

völlig falsch verstanden

Aus Schleswig-Holstein bekomme ich offensichtlich nur Kohl unter dem Label REWE regional.

Obst und Gemüse ist zu einer Marke geworden, um den Kunden zu binden: Immer der gleiche Geschmack, das ganze Jahr über, zum gleichen Preis, es liegt immer an der gleichen Stelle im Supermarkt und immer die eingeschränkte Auswahl der gleichen Clubsorten. Marketingstrategen gehen sogar so weit, neue tischtennisballgroße Äpfel zu züchten, diese in Plastikröhren zu verpacken, um sie als Lifestyleprodukt zu vermarken.

Am Ende weiß der Verbraucher gar nicht mehr, wie vielfältig der Geschmack von Apfel sein kann. Das muss sich wieder ändern. Wir müssen wieder dahin kommen, Obst und Gemüse so zu akzeptieren, wie es wächst. Mein Apfel aus dem Garten ist ja auch nicht (immer) perfekt, aber mit Sicherheit sehr viel verträglicher als die hochgepriesenen Neuzüchtungen. Die „alten Sorten“ enthalten mehr Polyphenole, deren Eigenschaften sich positiv auf die Gesundheit auswirken.

Da bin ich doch sehr froh, dass ich meine Äpfel bei den Marktschwärmern Kiel wirklich aus der Region beziehen kann, nicht in Kunststoff verpackt, mit direktem Kontakt zum Erzeuger. Das Apfelangebot diese Woche:

Obstquelle Kollage

Von links nach rechts: Wellant, Topaz, darunter Rubinola, Holsteiner Cox, Gala, Cox Orange, darunter Braeburn, Ananasrenette

Und natürlich Boskoop:

Boskoop

Den wahren Preis für den nicht immer perfekten Apfel mit Geschmack zahle ich gerne, schließlich unterstütze ich damit einen Erzeuger aus Schleswig-Holstein und hoffe weiterhin auf eine große Apfelvielfalt.

Bei der Obstquelle direkt kann man neben den oben genannten Sorten auch alte Sorten wie Holsteiner Zitronenapfel, Goldparmäne, Signe Tilli(s)ch, Schmalzprinz oder auch Kardinalprinz und noch viele andere mehr probieren und erwerben.

Herbstmarkt

Diese Woche feiert Marktschwärmer Kiel einjähriges Bestehen und es findet die erste Sitzung des frisch gegründeten Ernährungsrates Kiel statt. Ich hoffe, dass es uns gemeinsam gelingt, wieder mehr regionale Produkte in die Läden zu bekommen.

15 Gedanken zu „Der wahre Preis für den perfekten Apfel

  1. Susanne

    Ja, wenn man nicht aufpasst, wo und was man kauft, sondern sich auf die wunderbaren Auslobungen verlässt, dann kann „regional“ eine echte Mogelpackung sein. Immerhin – Europa ist auch eine Region, und der Begriff „regional“ ist nicht geschützt. „Rewe regional“ ist dafür wohl ein Paradebeispiel. Stimmt, auch Deutschland ist eine Region.

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  2. Cooketteria

    Vorneweg: Nichts liegt mir ferner, als solche Geschäftsstrategien von REWE zu verteidigen, aber….
    … bei meinen letzten Besuchen in einer bestimmten Filiale stand beim Gemüse eine riesengrosse Holzbox, gefüllt mit Hageläpfeln, d.h. Früchten, die wegen der Wetterkapriolen im Sommer kleine Makel hatten (Streifen, Verformungen). Geerntet in ca. 1,5 km Entfernung vom Laden und preislich lagen sie weit unter den verpackten Kollegen aus Norddeutschland und Italien. Es geht also auch anders (wenn man will und die Möglichkeiten dazu hat?). Allerdings kaufen wir in Deutschland viel lieber bei Hieber ein, da dort sehr viel Wert auf eine möglichst grosse Auswahl an tatsächlich regionalen Lebensmitteln, Bio-/demeter-Erzeugnisse und Nachhaltigkeit gelegt wird (z.B. wird das Einkaufen an den Frischtheken mit eigener Tupperware mit Rabatten belohnt, kostenlose Grünzeugbox für Kleintiere etc.). Aber man darf nicht vergessen zu erwähnen, dass dieser Umstand auch preislich, manchmal sogar sehr deutlich, spürbar ist. Wer es sich leisten kann, sollte trotzdem auf solche Kriterien achten. Um so erstaunlicher finde ich dann, dass sich auf dem Parkplatz vom Discounter vis-à-vis regelmässig viele teure Schlitten von Porsche, Mercedes, Range Rover usw. tummeln, deren Besitzer dann kartonweise billigste H-Milch und noch billigeres Schweinefleisch im Grosspackungen kaufen…

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    1. kuechenlatein Beitragsautor

      Ich höre ja immer wieder von solchen Filialen, aber leider habe ich die noch nie gefunden. Und mein örtlicher Supermarkt steht in einem Wohngebiet, wo sich viele Riesenschlitten und Riesenhäuser leisten können.

      Noch viel schlimmer finde ich eigentlich, dass in vielen Supermärkten – unabhängig vom Preis – nur dieselbe eingeschränkte Auswahl an Obst und Gemüse zu finden ist. Heute gab es eine Wiederholung von Xenius auf Arte, wo der Tomatenbauer beklagte, es sei eine Tendenz zu erkennen, dass „die jüngere Generation“ eher das Supermarktzeugs bevorzuge, weil sie nur das kenne. Es muss eben wieder viel mehr Auswahl in die Läden, wie z.B. Schälware

      Edit: Die wenigen Inhaber geführten Märkte bieten durchaus saisonale und regionale Produkte an und natürlich mein Lieblingssupermarkt. Was mir wirklich wünsche wäre ein Regionalwarenladen.

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  3. Ralf

    Ja Ulrike, da ist leider sehr viel wahres an deinen Ausführungen. Leider habe ich hier vor Ort nicht die regionalen Möglichkeiten da wir hier keine „Obstgegend“ sind. Umso mehr freue ich mich wenn ich mal nach Beruflich. nach Hannover komme über das schöne große Angebot an heimischen Sorten auf den Wochenmärkten. Welches ich dann auch gerne in Anspruch nehme. Leider ist es aber doch so dass der Handel mit seiner Sortimentspolitik immer mehr bestimmt was der Kunde zu mögen hat. Eine wirkliche Wahl haben wir doch in vielen Bereichen schon lange nicht mehr. Ich zweifle auch daran, dass sich das noch mal ändert. Die kommende Generation ist doch schon Zuseher vom Handel geprägt als das da noch eine Umkehr möglich wäre.
    Wir sollten wo immer es uns möglich ist, Initiativen unterstützen die sich für die Erhaltung der alten Sorten einsetzen. Schön das du dich da in Kiel so engagierst.
    Viele Grüße Ralf

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    1. kuechenlatein Beitragsautor

      Ich bin da sehr zuversichtlich, dass es für eine Umkehr noch nicht zu spät ist ;-) Ich war auf einer Veranstaltung ganz erstaunt, wie viele Verbraucher z.B. gar nicht wissen, wie Rosenkohl wächst und dass es eben auch anderes Gemüse/Obst als im Discounter gibt

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      1. Ralf

        Na dann hoffen wir mal gemeinsam das dieses zarte Pflänzchen doch noch größer wird. Das ist glaube ich das Problem, dass eben viele Verbraucher keinen Bezug mehr zu diesen Produkten aufbauen können weil die Landwirtschaft für sie schon gedanklich zu weit weg ist. Das Kotelett wächst halt in der Fleischtheke bildlich gesprochen. So lange es Menschen wie uns gibt besteht immer noch die Hoffnung das wir irgendwas bewegen.
        Viele Grüße aus Nordhessen
        Ralf

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  4. Tina

    Mein lokaler Edeka hat eigentlich jedes jahr immer die grossen Holzkisten mit Äpfeln aus unserem regionalen Obstparadies – aber die Ernte viel dank Frost im Frühjahr so schlecht aus, dass es dieses mal dafür einfach keine Äpfel gibt – und es halt Bodenseeobst gibt.

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    1. kuechenlatein Beitragsautor

      Ja, wenn ein EDEKA oder ein anderer Supermarkt Inhaber geführt ist, hat er die Möglichkeit, so etwas anzubieten. Nur die werden immer rarer, die „GROẞEN“ dominieren den Markt

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  5. Karin Anderson

    Bei uns in Maine sieht man am Strassenrand viele alte, verwilderte Apfelbäume, wo früher mal Obstgärten waren. Selbst hier in Bar Harbor kümmern sich viele Hausbesitzer nicht um ihre Obstbäume, weder werden sie beschnitten, noch machen sich die Leute die Mühe, das Obst zu ernten. Es tut mir immer in der Seele weh, wenn ich das sehe, und ich sammele Äpfel und Birnen auf, wenn sie nicht schon zermatscht sind.
    Im Supermarkt gibt es auch nur ein beschränktes Sortiment, obwohl immer mal wieder Neuzüchtungen dazukommen, die auch gut schmecken. Einen so guten Backapfel wie Boskoop habe ich allerdings noch nicht entdeckt.
    Und wenn ich in Hamburg bin, gehe ich immer auf den Isemarkt und gucke, was es dort für schönes Obst gibt (seufz!)

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  6. rike

    Ich bin ja schon öfter umgezogen und einen regionalen Wochenmarkt habe ich glücklicherweise überall gefunden oder wenigstens einen Hofladen. Was den Geschmack von Bauernware vs. Supermarkt betrifft, das kenne ich auch von FreundInnen meiner Mädels. Die haben bei uns kein Gemüse gegessen, weil die Gurke auch nach Gurke schmeckte. Aber es gibt auch Gegenbewegungen, wie beispielsweise die Gemüse Ackerdemie, die für Schulen und Kindergärten offen ist (unsere Grundschule nimmt daran teil). Meine Mädels und ich suchen auf dem Markt immer die krummste Gurke und die spannendsten Möhren…
    Ja, es ist nicht einfach. Heute wurde ich beispielsweise angesprochen, weil ich eine Birne gegessen habe, die etwas Frost abbekommen hatte. Die sah nicht mehr aus, wie aus dem Supermarkt, lecker war sie allemal. Aber meine Kolleginnen waren überzeugt, ich esse verdorbene Ware.
    Es ist gut, wenn Du darauf aufmerksam machst! Danke für diesen guten Artikel! Ich habe gottseidank die Möglichkeit und Auswhal auf dem Markt, ich habe Auswahl, aber ich kaufe eben auch saisonal. Da gibt es auch im Juni keine Äpfel, im Februar keine Erdbeeren und auch Zucchini freue ich mich auch schon wieder! Dafür habe ich noch Wirsing, Rosenkohl und Steckrübe undkoche morgen mal wieder eine leckere Lauchsuppe.

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  7. Stefanie

    Je nachdem, wo man wohnt, kann es mit regionalen Obst und Gemüse schwierig werden. Im Bergischen Land werden Äpfel fast nur auf als Streuobst angebaut – und viele alte Streuobstwiesen werden nicht mehr gepflegt – die Bäume verwildern und werden nicht beerntet. Es tut in der Seele weh! Zum Glück haben wir hier noch eine regionale Saftkelterei, die Streuobst aufkauft und verarbeitet. Und der Saft köstlich – ich liebe ja die alten Apfel-Sorten. Im elterlichen Garten haben wir gerade zwei alte Sorten gepflanzt, bis die tragen wird es aber wohl noch ein paar Jährchen dauern, alte Sorten sind langsam.
    Aber ansonsten ist der Boden hier karg, und so ist es früher wie heute hauptsächlich Milchviehhaltung und Kartoffelanbau, was hier betrieben wird. Auf dem Markt bekomme ich darum auch nur das Gemüse, dass man im Großmarkt bzw. Supermarkt bekommt. Im Urlaub freue ich mich darum umsomehr über tolle Wochenmärkten mit guter Auswahl.

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    1. kuechenlatein Beitragsautor

      Klar, nicht überall kann alles angebaut werden. Schon klar, aber wenn es ein regionales Angebot gibt, sollte der Verbraucher dieses auch kaufen können bzw. den regionalen Erzeuger unterstützen. Dabei geht es ja überhaupt um eine „vernünftige“ Landwirtschaft. Ich bekomme neuseeländisches Lamm in einem Bundesland, wo Schafe den Deich schützen, aber die einheimischen Produkte muss ich „jagen“. Selbst Milch(produkte) aus S-H werden in anderen Bundesländern verarbeitet und finden den Weg zurück in hiesige Regale. Wir leben im 21. Jahrhundert, das ist mir bewusst, aber so kann es auf Dauer nicht weitergehen. Wir sollten alle unseren Beitrag dazu leisten. Ddas fängt an, dass Qualität ihren Preis hat. Aber wenige Verbraucher sind bereit, diesen auch zu zahlen.

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