Fertigprodukt für Schwedische Hackbällchen

Den jungen Herren fielen fast die Augen aus, als sie diese Packung im Einkaufswagen fanden. Aber was tut Frau nicht alles, um die Verbraucher von Morgen vernünftig aufzuklären. Ein Blick auf die Kennzeichnung

Fertigprodukt für Schwedische Hackbällchen

Zutaten: Stärke, Mehl (Reis, Weizen), Milchzucker, Maltodextrin, pflanzliches Fett, jodiertes Speisesalz, Äpfel, Milcheiweiß, Hefeextrakt, Aroma (mit Weizengluten, Milch), Zwiebeln, Zwiebelsaftkonzentrat, Curry (mit Senfsaat), Lorbeerblätter, Farbstoff Paprikaextrakt. Maltodextrine sind Kohlenhydrate die z.B. aus Kartoffel- oder Maisstärke gewonnen werden.

zeigt: Dieses Produkt ist absolut nicht notwendig, um Schwedische Hackbällchen (im Slow Cooker) zuzubereiten. Da können gut und gerne Zwiebeln, etwas Apfel und Lorbeer in der Soße mitschmurgeln, ein bisschen Curry dazu und angedickt wird zum Schluss. Wirklich „schlimm“ liest sich das Zutatenverzeichnis nicht.

Es ist dieser Satz,

INITIATIVE für vollen Geschmack ohne Geschmacksverstärker: … hat begonnen seine Produkte in Deutschland zu überarbeiten und verzichtet zukünftig auf geschmacksverstärkende Zusatzstoffe. Dieses Produkt entspricht diesen Vorgaben bereits. Für die bewährte … Qualität legen wir noch mehr Augenmerk auf die sorgfältige Auswahl und schonende Verarbeitung bester Zutaten.

der mich auf die Palme bringt. Es ist richtig, im Zutatenverzeichnis steht kein Zusatzstoff Geschmacksverstärker, aber Hefeextrakt. Hefeextrakt besteht aus den geschmacksverstärkenden Substanzen Glutamat, Inosinat und Guanylat. Mit natürlicher Hefe hat das nun nicht mehr viel zu tun, schaut man sich einmal die Herstellung an. Das ist ein hochgradig technisiertens Verfahren, ich habe sogar ein Patent dafür gefunden. Da es sich bei Hefeextrakt nicht um einen isolierten Stoff, sondern eine Stoffmischung handelt wird er als „natürliche Zutat“ definiert und gilt deshalb als Zutat, nicht als Zusatzstoff. An der Sinnhaftigkeit dieser gesetzlichen Regelung lässt sich trefflich streiten, aber was für die Tütensuppe** gilt, gilt für mich auch hier.

Ich stimme da mit ihr überein: Gegen die großzügige Verwendung von E0815 in Fertigfutter spricht nichts, wenn ich mich – ohne Vorleser und Lupe – darüber informieren kann. Das lässt mir die Wahl das Produkt zu kaufen oder nicht. Wirklich aufregen tut es mich, wenn mir weis gemacht werden soll, es sei ein Unterschied, ob ich ein Produkt mit Geschmacksverstärker auf natürlicher Basis oder mit Geschmacksverstärker als Zusatzstoff kaufe. Zusatz bleibt Zusatz, Geschmacksverstärker auch.

Meine schwedischen Hackbällchen gibt es ohne Fertigprodukt, die geschmacksverstärkenden Stoffe entstehen beim langsamen Kochen nämlich von allein.

**www.foodwatch.de/presse/pressearchiv/2008/abgespeistde/index_ger.html nicht mehr verfügbar

9 thoughts on “Fertigprodukt für Schwedische Hackbällchen

  1. Hedonistin

    Stimmt, das ist ein Ärgernis. Wobei ich gegen Hefeextrakt gar nix habe (bin ein großer Fan von Marmite ;-) ); mein diesbezüglicher Allergiepunkt sind die „natürlichen Aromen“. Den Herstellern ist das aber weniger zum Vorwurf zu machen als dem Gesetzgeber, der ja mit teilweise zu laxen Deklarationsvorgaben erst die Möglichkeit schafft, mit behübschenden Formulierungen etwas zu suggerieren, dass so gar nicht zutrifft.

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  2. ostwestwind

    REPLY:
    Genau das regt mich ja auf: das Behübschende. Es ehrlicher gewesen zu sagen: Durch den Einsatz von Hefeextrakt wird der Glutamatgehalt gesenkt, oder so etwas in der Art …

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  3. Claudia (Gast)

    Diese Verbraucher-Verdummung schreit zum Himmel! Leider wissen viele Menschen nicht, dass auch Hefeextrakt und Aromen hochkünstliche Produkte sind, die nur aufgrund irreführender Gesetzgebung nicht als Zusatzstoff (sondern eben als Zutat) deklariert werden müssen. Schöner Bericht!

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  4. Jutta (Gast)

    Du schreckst aber auch vor nichts zurück :-))

    Wie ich diese Verdummung finde, habe ich ja schon zum Ausdruck gebracht. Deshalb freue ich mich auf die Hackbällchen ohne diesen ganzen Mist.

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  5. KochSchlampe (Gast)

    Eine der Fragen, die sich mir hier stellt: wo fängt die Eigenverantwortung des Konsumenten an und wo hört die Pflicht des Gesetzgebers auf?
    Muss ein Konsument wissen, dass Hefeextrakt (den ich auf Brot liebe) ein Geschmacksverstärker ist? Sollte das als Allgemeinwissen vorausgesetzt werden können, so wie die Tatsache, dass auch Fett, Salz und Alkohol Geschmacksverstärker sind… wenn auch nach Gesetzeslage selbstverständlich natürliche.

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  6. Chris K. (Gast)

    Fix- und Fertigprodukte
    Gerade eben im Supermarkt gesehen: Dingsbums-Fix für Käsespätzle. Ich brauche außer diesem Fix-Pulver nur noch Spätzle und Käse… Da frag ich mich doch, was eigentlich das Pulver macht.

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