Gin Workshop in der Küche Ahoi

Nach dem – trotz der noch sehr hoch stehenden Sonne – wirklich mitreißenden Vortrag von Branimir Hrkac** über die Geschichte des Gin beim “cook & meet” in Köln freute ich mich sehr auf den Gin Workshop in der Küche Ahoi,

©Gin Workshop in der Küche Ahoi

an dem auch die Gin-Nerds teilnahmen.

Die Veranstaltungsankündigung für den Gin Workshop las sich so:

Destilliere Deinen eigenen Gin mit 40 Botanicals! Jeder Teilnehmer nimmt seine „eigene“ Flasche mit, inkl. Snacks mit Destillateurmeister Stefan.

Die Snacks

©Gin Workshop in den Räumen Küche Ahoi - Collage Snacks

fand ich für den Anlass nicht passend. Da wir ja unseren eigenen Gin zusammenstellen und dafür immer wieder verkosten sollten, hätte ich mir weniger geschmackintensives Brot und Mineralwasser gewünscht, um die Geschmacksknospen wieder zu neutralisieren.

Die Botanicals,

©Gin Workshop in der Küche Ahoi - Botanicals

Kräuter oder auch Drogen, wie die Kräuter früher auch genannt wurden. Daher hat auch die Drogerie ihren Namen.

Meine Erwartungen an den Destillateurmeister Stefan Bierbaum, der früher für eine 1892 gegründete Lebensmittelkette mit Stammsitz in Kiel arbeitete, waren hoch, offensichtlich zu hoch. Der Destillateur stolperte über die richtige Be- und Kennzeichnung von Aromen und ging kaum bzw. nur sehr oberflächlich auf die Unterschiede der verschiedenen Verfahren der Gin-Herstellung, wie z.B. Dry, London und Destilled Gins ein. Nach diesem für mich viel zu allgemeinen Vortrag ging es dann endlich an die Inbetriebnahme der Destillen,

©Gin Workshop in der Küche Ahoi -Glasdestille.

auf die ich schon sehr gespannt war.

Übrigens darf jeder zu Hause destillieren, sofern diese Brennblase nicht mehr als 0,5-l-Inhalt fasst und bereits versteuerter Alkohol – wie in dem Kurs –

©Gin Workshop in der Küche Ahoi - Meckstädter Doppelkorn

destilliert wird. Die Bucht hält dafür recht preiswerte Sets bereit. Durch alkoholische Gärung gewonnen Alkohol zu destillieren ist jedoch nur unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen erlaubt, der muss nämlich versteuert werden.

Mit 5 Glasdestillen, die jeweils von 2 oder 3 Personen betrieben wurden und Kursleiter wurde es in der relativ kleinen Küche doch recht eng. Die Gin-Nerds und ich entschieden uns für ein Zitronengras-Piment-Destillat,

©Gin Workshop in der Küche Ahoi - Piment-Lemongrass-Destillation

die Gruppe gegenüber destillierte Zittwerwurzel (weißes Kurkuma) und Salbei. Der „richtige“ Zeitpunkt für das Beenden der Destillation wurde mit der Finger- und Geschmacksprobe bestimmt. Die Pimentnote war in unserem Vorlauf sehr präsent, im Mittelauf mild und im Nachlauf dominierte das Zitronengras.

Danach wurde der „eigene“ Gin aus dem eigenen Destillat und weiteren bereits vorhandenen

©Gin Workshop in der Küche Ahoi - fertige Destillate

Destillaten, als da waren Wacholderbeeren, Angelika, Anis, Bergamotten, Cassis, Curacao (Pomeranze), Holunderblüten, Ingwer, Jamaica Rum, Jasminblüte, Kalmuswurzel, Koriander, Kümmel, Melisse, Orangenschalen, Pfeffer, Tausendgüldenkraut, Zimtblüte und Zirbelkiefer, kreiert.

Zunächst wurde die Wacholdernote in einem 100 ml Becher eingestellt. Dazu wurden aus der vorbereiteten Flasche 40 Vol%igen Alkohols 100 ml entnommen. Die Empfehlung für eine zurückhaltende Wacholdernote lautete 0,5 ml, für eine präsente Note 1,0 ml und füreine kräftige Wacholdernote 1,3 – 1,8 ml pro 100 ml neutralen Alkohol. Der Umgang mit Pipetten fällt mir ja nicht schwer. Sehr unorthodox und naturwissenschaflich sehr gewöhnungsbedürftig dagegen fand ich das vorgeschlagene Verdünnungsmodell, um nicht gleich die gesamte Menge der Basisspirituose zu ruinieren. Egal, nach Pipettieren, Verkosten und Umherschütten hatte ich „meinen“ Gin fertig.

©Gin Workshop in der Küche Ahoi - Frau Küchenlateins Gin

mit nur 4 Botanicals, Wacholder, Zitronengras, Piment und Zimtblüte. Mein fertiger Gin hatte jetzt eine knapp vierwöchige Reife hinter sich und der Gin schmeckt viel sanfter. Von einer präsenten Wacholdernote bei meiner Dosierung kann man nicht sprechen, sehr zurückhaltend würde ich die beschreiben wollen. Geschmäcker sind eben unterschiedlich. „Mein“ Gin geht mit dem sonst zu allem passenden Fevertree Tonic total unter, dafür schmeckt er pur ganz ordentlich. Eine Zierde fürs Regal ist er allemal.

©Gin Workshop in der Küche Ahoi - Frau Küchenlateins Gin gereift

Mein Resümee der Veranstaltung:

Ich habe keinen Gin im klassischen Sinne destilliert, sondern „nur“ ein Kräuter-/Gewürzdestillat und mit verschiedenen anderen Destillaten eine Basisspirituose nach „meinen“ Vorstellungen zu einem Gin zusammengemischt. Das ist zwar EU-konform, entsprach aber nicht meinen Erwartungen.

Wenngleich die Veranstaltung weder in der Theorie noch in der Praxis Einblick in das London-(Dry)-Verfahren – für mich der Inbegriff der Ginherstellung, gab, habe ich Lust bekommen, mich an der London-Methode zu Hause zu versuchen.

Ich hatte Spaß, nicht zuletzt durch die Anwesenheit der Gin Nerds. Den aber habe ich eigentlich immer mit den beiden, insbesondere mit Petra, selbst auf den gewöhnungsbedürftigsten Veranstaltungen.

** 28.05.2018 https://www.galeria-kaufhof.de/living/allgemein/gin-das-trendgetraenk/ nicht mehr verfügbar

5 thoughts on “Gin Workshop in der Küche Ahoi

  1. Pingback: Gin-Destillierkurs in Kiel - Gin Nerds

  2. multikulinaria

    Dein Gin-Destillier-Abenteuer erinnert mich sehr an meine frühere Arbeit im Umweltlabor. Als Eventidee ziemlich mutig, wenn auch offensichtlich noch nicht ganz ausgereift. Lass dir deinen Gin dennoch gut schmecken!

    Antworten
  3. Pingback: Zusammenfassung der Woche ab 15.06.2015 | Iron Blogger Kiel

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