Marillenknödel oder norddeutsch: Aprikosenklöße mit Karamellbröseln

Bei Uschi drängte sich der Eindruck auf, ich bevorzuge die Essenwünsche von Sohn 2. Das liegt mit Sicherheit daran, dass ich seltener mit Sohn 1 zu Mittag esse bzw. für ihn koche als mit Sohn 2. Die Schule von Sohn 1 hat eine Mensa, die von Sohn 2 nicht, dafür ist dort immer um 13:05 Uhr Schulschluss. Leider lässt es der Stundenplan von Sohn 1 nicht mehr zu, ab und zu am wochentäglichen Mittagstisch teilzunehmen. Aber wenn sich in der Woche die Gelegenheit bietet, mit Sohn 1 zu Essen, werden selbstverständlich die Vorlieben auch dieses Sohnes berücksichtigt. Sohn 1 ist ja bekanntlich ein Fan österreichischer Knödel und so gab es

Marillenknödel oder norddeutsch: Aprikosenklöße mit Karamellbröseln

Marillenknödel oder norddeutsch: Aprikosenklöße mit Karamellbröseln 005

Das Ergebnis der Gemeinschaftsarbeit von Sohn 1 und mir war einfach köstlich und obwohl mit der Schnitttechnik entsteint nicht gatschig aufgeweicht. Das völlig falsche Essbesteck haben wir lieber aus dem Bild entfernt.

Wenn Frau Esskultur sagt: „Marillen nur mit Topfenteig“, dann ist das Dogma, auch für mich. Wenn ich Frau Esskultur, was die Anschaffung von Gasherden betrifft, vertraue, dann erst recht bei Marillenknödeln.

Die Anleitung ist so sicher, da kann sogar ich Knödel formen.

Marillenknödel nach Frau Esskultur 001

Die Öffnung ist verschlossen, und nun ohne Furcht die Knödel auf die Wasseroberfläche fallen lassen und garen.

Marillenknödel nach Frau Esskultur 003

Einige sind noch abgetaucht, die anderen schon wieder aufgetaucht.

Und während die Knödel – nicht aufgerissen –

Marillenknödel nach Frau Esskultur 004

vor sich hin dampften, rührte Sohn 1

iMarillenknödel nach Frau Esskultur 002

die Karamellbrösel und hat sich somit zum Bröselmeister qualifiziert.

Da nicht jeder das Küchenösterreichisch perfekt beherrscht, hier noch ein paar Erklärungen der Zutaten zum Rezept auf Esskultur.at

Topfen: Eigentlich nur die süddeutsche bzw. österreichische Bezeichnung von Quark, aber nur eigentlich. Mein Bio-Milchprodukte-Verkäufer auf dem Wochenmarkt führt beides und sagt, die Konsistenz sei unterschiedlich. Traditionell wird Topfen durch das „Abtropfenlassen“ normalen Quarks in einem Sieb oder einem Tuch hergestellt, daher sei der deutsche Quark feuchter. Ich kann das für Fertigpackungen nur bestätigen. Ich habe dann recht trockenen Bio-Quark erstanden, der nicht bröselig, aber trockener als handelsüblicher Quark war.

glattes Mehl: In Österreich wird – sogar beim Discounter – glattes und griffiges Mehl verkauft. Beide unterscheiden sich in der Teilchengröße. Während in Deutschland die 08/15 Mehltype 405 ist, ist es in Österreich Type 480. Glattes Mehl ist fein ausgemahlen und enthält – im Gegensatz zu griffigem Mehl – keine groben Mehlpartikel mehr. Die Teilchen haben eine Durchmesser von weniger als 0,1 mm.

Marille: Die österreichische Bezeichnung für Aprikose, am besten die aus der Wachau, die habe ich schon selber verkosten dürfen. Ich musste mit französischen Bio-Aprikosen vorlieb nehmen.

Zum Rezept auf Esskultur.at

Edit: 01.07.2013 Das Rezept gibt es jetzt auch hier:

Marillenknödel oder norddeutsch: Aprikosenklöße mit Karamellbröseln

Menge: 16 Stück

Zutaten:

  • 400 Gramm Quark, 20 % Fett, 10 % geht auch, ggf. durch ein Tuch abgetropft
  • 60 Gramm Butter, weich, nicht geschmolzen
  • 1 Ei, Größe M
  • 1 Eidotter, Größe M
  • 1/2 Zitrone, die Schale, abgerieben, mindestens
  • 1 gute Prise Salz
  • 16 Marillen bzw. Aprikosen, je nach Größe mehr oder auch weniger, gute Fruchsäure, gewaschen und abgetrocknet
  • gleiche Anzahl Stücke Würfelzucker wie Aprikosen
  • noch mehr Butter; 125 Gramm ca.
  • Brösel; etwa 125 Gramm
  • Zucker
  • Zimt

QUELLE

abgewandelt von Ulrike Westphal nach:
Katharina Seiser auf www.esskultur.at

ZUBEREITUNG

  1. Butter mit Salz und Zitronenschale glatt rühren. In die Buttermasse Ei und Dotter einrühren, Mehl und Quark zufügen und zu einem glatten Teig verarbeiten. Ulrike: KitchenAid. Den Teig mindesten 30 Minuten – wer viel Zeit hat: 3 – 4 Stunden – ruhen lassen, weil sich der Teig dann besser verarbeiten lässt.
  2. In einem ausreichend großen Topf Wasser zum Kochen bringen und leicht salzen.
  3. Aprikosen mit einen mit dem nicht zu dicken Stiel eines Kochlöffels (runder Querschnitt) stoße man von oben (dort, wo die Aprikos am Baum hing) den Kern nach unten hinaus. Dadurch wird die Aprikose nicht ganz geöffnet. Das hat den Vorteil, dass die fertigen Knödel nicht von innen her – wie es bei ganz aufgeschnittenenAprikosen schnell passieren kann – gatschig. Durch das unten vom Kern entstandene Loch wird je ein Stück Würfelzucker gegeben. Wenn die Knödel sofort gekocht werden, kann der Zucer in Marillenbrand getaucht werden.
  4. Der gekühlte Teig wird auf einer bemehlten Unterlage mit bemehlten Händen zu einer Rolle geformt, die man anschliessend in 16 Stücke teilt.
  5. Jede Aprikose mit einer Teigscheibe umhüllen, dabei Aprikosenschlitz nach unten auf die Teigmitte legen, damit das Risiko aufgegangener Knödel minimiert wird. Die öffnung gut verschliessen, sie darf nicht mehr erkennbar sein, dabei hilft der einfach zu arbeitende Teig .
  6. Die Kknödel in das kochende Wasser einsetzen, das geht gut mit einem Esslöffel und leicht siedend kochen, dabei am Anfang mit dem Kochlöffel die knödel leicht anstoßen, damit sie nicht am Topfboden kleben. Nach 12-15 Minuten, wenn sie schwimmen und sich evtl. sogar drehen, herausnehmen, abtropfen lassen und in den Bröseln wälzen. Die knödel in Etappen in den Bröseln wälzen, mit mindestens einem Extra-Löffel Brösel obenauf anrichten und mit Zucker servieren.
  7. Für die Brösel schmelze man in einer Pfanne viel Butter, die gleiche Menge oder etwas mehr Semmelbrösel einrühren, bei mittlerer hitze langsam und unter häufigem Rühren – die brennen so schnell an, so schnell kann man gar nicht schauen – goldbraun rösten. Vor Ende des Röstens einige Esslöffel Zucker und eine gute Prise Zimt, je nach Salzgehalt der Brösel auch eine Prise Salz, gut untermischen und fertig rösten. Am Anfang einen oder mehrere Löffel geriebene, noch nicht geröstete! Nüsse dazugegeben, macht die Brösel noch „um eine dimension reicher“.

Gesamtzeit: 1 Stunde
Vorbereitungszeit:15 Minuten
Koch-/Backzeit: 15 Minuten

 
 

11 thoughts on “Marillenknödel oder norddeutsch: Aprikosenklöße mit Karamellbröseln

  1. Sophie (Gast)

    In Marillenknödel könnt ich mich reinlegen. Hab ich mich bislang aber noch nie rangetraut. Mit deinem Erfahrungsbericht in der Tasche könnte ich das direkt mal ausprobieren, frische Aprikosen hab ich heute auch gekauft.

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  2. Heidi, die II. (Gast)

    Da hatte ich aber (Marillen) Knödel auf den Augen… liest sich soooo schön – aber wo ist das Rezept???
    Tja – wer zu flüchtig ist, dem rutscht das einfach durch… (natürlich nach x-mal lesen entdeckt…)
    Auf die Brösel bin ich ja gespannt, wie ein Flitzebogen – ich kriege schon vom Lesen einen Schmacht ohne Ende… habe bisher immer ‚ohne‘ und mit Vanillesauce gekocht (alter Knödel-Banause, der ich bin) – das wird sich aber umgehend ändern…
    Danke für das Übermitteln eines schönen Rezeptes, das immer noch besser zu machen ist!

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  3. katha (Gast)

    ich glaub‘, das nennt sich völkerverständigung.

    das mit dem besteck (und weiter unten bei heidi mit der vanillesauce!!!) habe ich einfach überlesen.

    was die herkunft der marillen betrifft: es ist eine sorten- und eine klimafrage. bestimmt gibt’s auch anderswo sehr gute marillen, nicht nur in der wachau (sorte: ungarische beste/klosterneuburger). wichtig ist, dass sie reif und süß, auf keinen fall mehlig sind und trotzem eine leichte säure mitbringen. mit faden, mehligen oder trockenen marillen schmecken auch die knödel nach nix. da kann der teig noch so gut sein.

    und brösel kann man nie genug um die knödel herum (immer wälzen, nie nur brösel auf die nackerten knödel obenauf!), auf den knödeln drauf und zwischen den knödeln drin haben.

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  4. Heidi, die II. (Gast)

    REPLY:
    Das mit der Völkerverständigung kann ich auch unterschreiben – die „Sünde“ mit der Vanillesauce wird nicht mehr begangen – versprochen!!!! Und „nackerte“ Knödel gibt es ganz bestimmt auch nicht mehr bei mir… :-D
    Dank Ulrike ist der Link jetzt ja groß genug, dass sogar so ein „Flusi“, wie ich den einfach finden muss… (sonst bin ich ein Fall für meinen Optiker)
    Echt – ich habe heute wirklich etwas dazu lernen können…
    Nochmals ein dickes Dankeschön an Euch beide!!!

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  5. schnapperin (Gast)

    Es gibt ja nichts bessers als Marillenknödel -auch wenn die Schwaben eher Zwetschenknödel bevorzugen -sehen super lecker aus!
    ich frag mich jetzt gerade nur, warum es scheinbar nur bei mir im dorf üblich ist, Brösel nur oben und vor allem werden die Marillen hier mit Stein gekocht, und nachdem aufschneiden individuell und je nach süsse nachgezuckert!

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  6. Piggeldy at piggeldy.blogspot.com

    Wie passend *g* Die gab es bei uns erst letztes Wochenende… und auch heute wieder! Allerdings mit „normalem“ 405er Mehl.

    Ich verschwind dann mal zu meinem Quarkteig. Ich hab doch wirklich direkt wieder Hunger bekommen!

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