Vorne hui, hinten pfui

oder wie Premiumprodukte verschlimmbessert werden.

Die Katze und ich waren neulich in unserem Lieblingssupermarkt (grusel)-shoppen. Zum Wochenende sind dort immer Stände aufgebaut, die den Kunden Gelegenheit geben, die Produkte auch zu probieren. Eine sehr nette Dame präsentierte dann Produkte dieser Firma, die nun nicht unbedingt im Niedrigpreis-Segment zu finden sind.

Schließlich wird ja auch auf der Website(Stand 28. März 2013) großzügig mit

glutenfrei und laktosefrei

geworben, und hier werden wurden sich am 28.3.2013 Gedanken zur Herkunft der Eier gemacht.

Natürlich kann die Katze – wie ich – auch Rote Grütze und Vanille-Sauce selber kochen, aber ganz im Gegensatz zu mir, verbringt sie die Woche oft im Süden Deutschlands, kann nicht nur vom Käsebrot in Ingoldstadt leben und hat dann keine eigene Küche zur Verfügung. Da muss Frau Katze schon einmal zu Fertigfutter greifen. Die nette Dame vom Probierstand pries ihre Produkte mit besonderen Zutaten an, einiges sei sogar laktose- und glutenfrei, aber trau schau wem, WIR lesen natürlich IMMER erst die Zutatenverzeichnisse bevor wir lustvoll probieren.

Die Zutaten der Roten Grütze

Zutaten: 50% Fruchtmischung (Sauerkirschen, Erdbeeren, Himbeeren, schwarze Johannisbeeren, rote Johannisbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren), Wasser, Zucker, modifizierte Stärke, Zitronensaft

und die der Vanille-Sauce

Grusel-Vanille-Sauce

die mit denen auf der Website leider überhaupt nicht mehr übereinstimmt.

Nachdem wir dann verwundert fragten, warum denn in Premiumprodukten wie Salatdressings und Vanille-Sauce denn unbedingt das gesundheitlich nicht unbedenkliche Carrageen eingesetzt würde, riet uns die Dame vom Probierstand, uns doch an die Firma zu weden, man sei ja immer an Verbrauchermeinungen interessiert. Das habe ich gemacht, auf und wurde mit folgender Antwort beglückt.

Offensichtlich nicht, die Qualitätsicherung des Unternehmens gab diese nichtssagende Antwort

Sehr geehrte Frau Westphal,

vielen Dank für Ihre eMail und das Interesse an unseren Produkten.

Carrageene werden sowohl in der Lebensmittelindustrie als auch in der Kosmetikindustrie vielfältig eingesetzt. Das von uns verwendete Carrageen ist ein natürliches, aus Rotalgen extrahiertes Verdickungsmittel welches entsprechend der EG-Öko-VO sogar für die Herstellung von Bio-Lebensmitteln zugelassen ist. Die EG-Öko-VO ist ein strenges Instrumentarium zur Einhaltung der Bio-Qualität von Lebensmitteln; viele herkömmliche Zusatzstoffe sind dafür nicht zugelassen.

Transparenz, Offenheit und Handeln im Sinne des Verbrauchers sind uns sehr wichtig und Teil unserer Firmenphilosophie. Wissenschaftliche und rechtliche Entwicklungen werden von uns ständig verfolgt und neue Erkenntnisse bei der Optimierung der Produkte berücksichtigt.

Wir hoffen Ihnen mit unserer Antwort geholfen zu haben und stehen bei weiteren Fragen selbstverständlich jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Die Dame in der Qualitätssicherung ist nicht mit einem Wort auf die mitgeschickten Links eingegangen, noch hat sie sich die Mühe gemacht ins Küchenlatein zu schauen. Dann hätte sie gewusst, dass ich die Meinung, Carrageen trüge zur Optimierung eines Produktes bei, nicht teile. Ebenso die Katze, die Carrageen nun überhaupt nicht verträgt. Und wir sind nicht allein.

Katze und ich kaufen jetzt noch nicht einmal mehr die Rote Grütze von der Firma!

Warum nutzen Firmen nicht die Macht der Kennzeichnung und werben mit Carrageenfreiheit? Vermeintliche Nachteile – wie z. B. Aufrahmen – können doch positiv dargestellt werden.

Unser Produkt enthält kein Carrageen und kann deshalb aufrahmen. Das ist ein Qualitätsbeweis, bitte schütteln Sie das Produkt im Falle des Aufrahmens gründlich

6 thoughts on “Vorne hui, hinten pfui

  1. Frauke (Gast)

    keine Experimente, lieber selber Kochen
    Selbst gekocht geht viel einfacher , schneller und ist sicherer!
    Ich glaube all den Etiketten nicht mehr, wer weiß was noch alles noch drin ist!
    Da koche ich lieber selbst meine Fruchtgrütze aus eigen Früchten und binde sie mit schlicher Speistärke und es gibt ganz einfach Milch mir einem kleinen Schuss Sahne dazu

    die Fertiggerichte sollen sehr lange halten , toll aussehen, und auch noch schmecken, dass kann doch nur mit Chemie klappen!!
    oder ich muss sie einfrieren oder selbst einwecken so wie früher es in jedem haushalt üblich war.
    Mein Tochter hatte mal feritgen Pfannkuchenteig in einer Flasche ich habe dies nur entgeistert festgestellt und dann auch mal ausprobiert, es schmecke noch nicht einmal!!!und war auch noch teuer—

    Ist es da nicht einfacher die drei Zutaten selbst zusammenzurühren! Das ist die Verführung der Werbung!!
    Frauke

    Antworten
  2. ostwestwind

    REPLY:
    Frauke, das Problem ist einfach, dass es manchmal am Selbermachen scheitert. Weil du geschäftlich unterwegs bist, keine Küche zur Verfügung hast, nicht immer essen gehen willst etc. Da wäre es schon schön, wenn du eben ab und zu vernünftiges Fertigfutter hast. Und mit Weckgläsern im Flieger ist es eben so eine Sache …

    Antworten
  3. berit (Gast)

    REPLY:
    leider wahr
    Ich hatte im UK auch das Gefühl, das man dort in Sachen Fertigwaren auch schon viel weiter ist als bei uns und „Keine Zusatzstoffe“ dort schon fast Selbstverständlichkeit sind.

    Antworten
  4. Nadja (Gast)

    Seit ich deinen Blog lese, schau ich auch immer, ob in den Schlagobersen (?), die ich kaufe, wohl kein Carragen drin ist. In Österreich scheint die Zugabe noch nicht so verbreitet zu sein, zum Glück. Wenn auf einem Fertiggericht „Verbesserte Rezeptur!“ steht, dann mischen sie oft Milchzucker oder irgendwas anderes Milchiges hinein. Da ärger ich Laktoseintolerante mich immer wieder :( Aber anscheinend riskiert man für etwas Gewinn, dass Kunden abspringen, weil sie die Produkte dann nicht mehr essen können/wollen.

    Liebe Grüße
    Nadja

    Antworten
  5. Löffel (Gast)

    Äpfel mit Birnen vergleichen?
    Ich kann die Bedenken nachvollziehen – und im Fall einer Allergie erst recht. Aber Fertigprodukte sind nun mal nicht mit frisch zubereiteten Gerichten zu vergleichen. Wie würde denn die Vanillesauce im Glas aussehen, wenn sie nicht irgendwie stabilisiert werden würde. Dann hättet ihr sie erst recht nicht gekauft.
    Die Reaktion der Firma finde ich gut und ausreichend. Sie hat im Grunde das erklärt, was auch in den Links zum Ausdruck kommt. Ich hatte wegen deren Sylter Salatsauce eine entsprechende Frage und wurde sehr freundlich und umfassend beantwortet. Im Gegensatz zu manch Anderen (wie z.B. einem sehr blauen Dickmilchhersteller, der pampig auf meine Frage reagierte). Ich denke auch nicht, dass die Hersteller es darauf abgesehen haben, ihre Kunden zu schädigen. Man vergiftet ja nicht die Kuh, die man melken möchte. Es sind die Sachzwänge der industriellen Produktion, die man so optimal und verträglich wie irgend möglich einsetzen kann. Wir als Verbraucher haben die Möglichkeit der Wahl, ob wir in Ausnahmefällen mal ein Fertigprodukt zu uns nehmen, das anscheinend mit einer guten Portion Verantwortungsgefühl produziert wurde. Oder es einfach sein zu lassen.

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  6. ostwestwind

    REPLY:
    Doch, ich hätte aufgerahmte Vanillesauce gekauft, genauso wie ich nicht stabilisierte Sahne kaufe und durch Schütteln wieder herstelle – wie ein Blick in meinen Kühlschrank zeigt, ebenso entmischte clotted cream, auf der sogar draufsteht, dass sie sich entrahmen kann.


    Und die Antwort ist insoweit enttäuschend, dass gesundheitlich nicht unbedenkliches Carrageen zugesetzt wurde. Und ja die Katze wird regelrecht krank von dem Zeug, auch andere wundern sich über Blähbäuche, kaufen den ach so umworbenen Anti-Blähbauch-Joghurt. Täte nicht nötig , wenn Carrageen nicht zugesetzt würde.

    Es sind nicht die Sachzwänge der industriellen Produktion, wer angeblich Allergiker mit viel Liebe schützen will, hat sich einfach nicht genug mit der Materie auseinandergesetzt. Reiner Marketing-Gag. Das ist weder Premium, noch sonst für Qualität und steht im krassen Widerspruch zu der Dame, die uns das zum Probieren anbot.

    Antworten

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